mit freundlicher Genehmigung von Franz Motyka
Die Wohnfläche verteilt sich auf drei Etagen, wobei die unterste für
Wasch- und Wäscheräume konzipiert war. Das Wasser holten sich
die Schwestern
zunächst
aus einem Brunnen auf dem dazu gehörenden Grundstück. Die mittlere
Etage hat den Haupteingang des Gebäudes. Durch eine Pforte in der Begrenzungsmauer
an den Treppen zur Kirche oder zur Schule und auf einem Gartenweg gelangt
man dorthin. In der Originalhaustür sieht man noch die kleine, verschließbare
Öffnung. Durch sie nahmen die Schwestern mit ihren bedürftigen,
verletzten oder Naturalien schenkenden Gästen den Kontakt auf. Die
Verletzten wurden sogleich in einem dahinter liegenden Zimmer "verarztet".
Auf dieser Etage befanden sich neben der Hauskapelle die Schreib- und Aufenthaltsräume.
Auch der Heizofen stand auf dieser Ebene. Im obersten Stockwerk waren die
Schlafräume.
Neben dem Eingang an der Bundesstraße liest man auf zwei verschiedenen
Tafeln von einem Kloster bzw. Klösterchen.
Stand denn dort ein Kloster in Camberg? Bevorzugten nicht die Ordensleute
ruhigere Orte für ihren Aufenthalt? Auch die Mitglieder der Mendikantenorden
(Dominikaner, Franziskaner etc.) und der Kongregationen, die nahe bei ihren
Mitmenschen sein wollten, um ihnen beizustehen, bauten ihr Domizillieber
an weniger lauten Plätzen ei
nes
Ortes. Gab es denn Klöster in dieser Stadt?
In Camberg bestand bis ins 16. Jahrhundert nur ein Haus der Beginen, ein
Zusammenschluss frommer Witwen und unverheirateter Frauen, die sich der
Krankenpflege und der Erziehung der weiblichen Jugend widmeten. Die Beginen
legten nicht die bekannten Klostergelübde ab. Für ihre regelmäßigen
Gebete konnten sie die in der Nähe gelegene kleine Sankt-Georgs-Kirche
besuchen. Diese lag im südwestlichen Teil der heutigen Kernstadt und
wurde 1777 wegen ihrer Baufälligkeit abgerissen.

(Westerwald)
bei der Bevölkerung als "Dernbacher Schwestern" bekannt, in
Camberg ihre erste Filiale. Der Camberger Legationsrat Dr. Moritz Lieber konnte
die Gründerin der Kongregation, Katharina Kasper (1820-1898), zu dieser
Maßnahme bewegen. Die Schwestern Aloysia und Agatha waren die ersten
Mitglieder dieser Schwesternstation. Sie wurden von den wohlhabenden Camberger
Familien mit Geld für ihre Kleidung und für Lebensmittel sowie durch
kostenfreie Wohnung unterstützt.
Bis 1861 wohnten die Schwestern im Hause Grimm im
3. Stock. Dieses Haus stand in der Kirchgasse (im Bereich des Hauses Nr.6)
und brannte 1886 ab. Die Wohnung bestand aus zwei kleinen Zimmern. Benefiztat
Heinrich Lauer zahlte dafür die Miete. 1861 zogen sie in das neu erbaute
Lieber'sche Hospital. " Und wohnten damals Hospital- und Stadtschwestern
zusammen. Es waren zwei Schwestern zur Pflege der Hospital- und drei Schwestern
zur Pflege der Stadtkranken bestimmt. " So steht in der Hauschronik
der Stadtschwestern.
Doch bereits 1867 gestattete der Verwaltungsrat des Hospitals den Stadtschwestern
nicht mehr, dort zu wohnen. Sie wohnten dann wieder beengt im Hause des
Tünchers Jakob Hartmann (Marktplatz 5).
1872 liest man in ihrer Chronik: "Die Schwestern bezogen unentgeltlich
eine Wohnung, welche der Gemeinde gehörte. " Man weiß heute
nicht genau, wo diese lag, aber damals kannten kranke und verletzte Camberger,
von denen einige sich einen Arzt nicht leisten konnten, die Adresse der
Schwestern.
Die mündliche Überlieferung nennt das Haus Gallo (Strackgasse
14) als nächste Wohnung, bevor die Schwestern in ihr Haus an der Frankfurter
Straße übersiedelten.
Es wurde in sechs Monaten für die Schwestern
gebaut und am 20. August 1879 durch den Geistlichen Rat Wittayer eingesegnet.
Die Schwestern
beteiligten
sich an den Kosten mit einem Betrag von 200 Mark, welche die Oberin, Schwester
Cleopha Amelunxen, am 27. März 1880 übergab. Eine Haussammlung
erbrachte 628,45 Mark. Den Bau ließ der als Reichstagsabgeordneter
des Zentrums bekannte Camberger Dr. Ernst Lieber, der Sohn Dr. Moritz Liebers,
durchführen.
Der vorliegende Bauplan wurde für ihn entworfen und ist zugleich als Bauantrag mit seiner Unterschrift versehen. Er gab 4500 Mark als Darlehen zum Bau. Die Stadt zahlte ihm die Zinsen (5%) und die Tilgung für dieses Kapital. Das Haus wurde daher im Stockbuch auf seinen Namen eingetragen. Aus dem vorliegenden "Abschluss der Rechnung des neu erbauten Schwestern Hauses zu Camberg" geht hervor, dass sich die Gesamtkosten auf 5328,33 Mark beliefen. Die Schützsche Fidei-Commission (Mitglieder waren u. a. Baron von Spies, Baron von Freiberg) vermachte diesem Hause ein Kapital von 1 200 Mark mit der Auflage, dass es noch vor 1900 in den Besitz der Schwestern oder der Kirchengemeinde übergehe. So kaufte die katholische Kirchengemeinde 1894 dieses Haus von Dr. Lieber .

"Der katholischen Kirchengemeinde, Eigentümerin des Hauses, wird
das verbrauchte Baukapital von der Civilgemeinde verzinst, weil die Barmherzigen
Schwestern ihre christliche Liebestätigkeit allen Bürgern der
Stadt ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses zuwenden. "
Das schrieb 1904 der damalige Pfarrer in die Pfarrchronik. Noch auf derselben
Seite nennt er dieses Gebäude "eine Behausung, die mehr romantisch
als zweckdienlich und praktisch ist".
Bereits 1886 vermerkten die Schwestern in ihrer Hauschronik, dass sie genötigt
seien, das Haus auf ihre Kosten (450 Mark) freilegen zu lassen, weil wegen
der Feuchtigkeit der Schwamm ständig durch den Boden wuchere und die
Balken faulten.
1926 wurde die zur Straße gelegene Mauer des Schwesternhauses mit
Ankern befestigt, da sie angeblich wegen des lockeren Bodens und der Autoerschütterungen
abzusinken drohte. Der damalige Pfarrer schrieb in die Pfarrchronik: "Das
ganze Haus ist ein Schmerzenskind für Schwestern und Pfarrvorstand.
"
Trotzdem wollten die Schwestern es nicht verlassen, als ihnen 1931 ein stattliches
Haus in der Pfarrgasse (Nr. 7, das so genannte Lauer'sche Haus, später
ein Neubau und 1954 das Haus der Camberger Bank in der Limburger Straße
als neue Wohnung vom jeweiligen katholischen Pfarrer angeboten wurden. In
ihren Ablehnungen erklärten sie ihm, dass ihr Haus durch die häufigen
Besuche der Gründerin ihrer Kongregation geheiligt und ein richtiges
"Klösterchen" sei.
Das Klösterchen wird verkauft
Noch 1958 bedauerte die Generaloberin - laut Pfarrer Staat in der Pfarrchronik-
diese Entscheidung ihrer Camberger Mitschwestern und wünschte dringend
von den zuständigen Camberger Gremien "ein ruhiges und gesünderes
Heim" für die Stadtschwestern. Bereits zwei Jahre später
konnte dieser Wusch erfüllt werden. Von Februar bis Juni 1960 wurde
für 36190 DM das alte Pfarrhaus in der Pfarrgasse in ein Schwesternhaus
umgewandelt. Nachdem Stadtpfarrer Bernhard Staat das Haus gesegnet und die
Hauskapelle eingeweiht hatte, konnten am 23. Juni 1960 die vier Schwestern
in ihr neues Domizil übersiedeln. Kaspar Hofmann, der Ehrenbürger
dieser Stadt, las in den beiden Schwesternhäusern regelmäßig
die Heilige Messe.
Das auch von den Cambergern als "Klösterchen" bezeichnete
Haus an der Frankfurter Straße wurde noch im selben Jahre an die Firma
Hasenbach verkauft. Darin wohnten jahrelang Gastarbeiter aus Italien, Spanien,
Portugal, Griechenland und Jugoslawien. Später wurde das Haus vom Besitzer
privat genutzt.
1989 kaufte Frau Edda Armbruster dieses Anwesen. Nach der Zustimmung durch
die dafür zuständigen Behörden ließ sie das Haus 1993/94
mit hohem Kostenaufwand umbauen und ausstatten. 1994 eröffnete sie
darin ein besonders von Kurgästen gern besuchtes Weinlokal.
Quellen
Dernbach, Generalat ADJC, Hauschronik Camberg, Band 1 Chronik der Pfarrei
Sankt Peter und Paul, Camberg
Kunz, M.: Häuserverzeichnis der Altstadt von Camberg, unveröffentlichte
Sammlung, Bad Camberg ab 1989
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