
Alljährlich
strömen etwa 50 000 Pilger aus aller Herren Länder in die Heilige
Stadt. Vor allem in der Fastenzeit und zu Ostern. Leben auf der Weide. Zu
Beginn des 16. Jahrhunderts überwogen in Rom die unbebauten Flächen.
Zwischen antiken Ruinen dehnten sich Weiden, Felder und große Palastgärten
aus. Auf dem einst stolzen Forum graste Vieh; Hirten und fahrendes Volk tummelten
sich dort. Die Bevölkerung gab dem Gebiet den Spitznamen Campo vaccino
oder Kuhweide, denjenigen. die nicht um der heiligen Stätten willen nach
Rom reisten gehören vor allem Botschafter die in geheimer Mission an
den päpstlichen Hof unterwegs sind, bescheidene Priester, Mönche
und Nonnen, die für ihre Pfarrgemeinde oder ihren Orden Geschäfte
zu erledigen haben. Viele die nach Rom ziehen sind einfache Leute aus anderen
Gegenden Italiens oder aus fremden Ländern die ihr Glück in der
Stadt machen wollen. Einige Reisende sind schon seit über einem Monat
unterwegs.Sacco di Roma
Am 27. Mai 1527 eroberten kaiserliche Söldner
eigenmächtig Rom. Wochenlang plünderten und verwüsteten mehr
als 2000 Landsknechte die Stadt. Etwa 1300 Römer starben und das von
Papst Leo X. geschaffene prächtige Rom versank in Schutt und Asche.

Pilgerzug
Die Pilger mussten einen Bußgang zu sieben Kirchen Roms machen. Der
Gang dauerte etwa acht Stunden und führte von den unbewohnten Gebieten
um den Vatikan in das Sumpfland, wo die Pilger oft knietief im Morast wateten.
Leben auf der Weide
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts überwogen in Rom die unbebauten Flächen.
Zwischen antiken Ruinen dehnten sich Weiden, Felder und große Palastgärten
aus. Auf dem einst stolzen Forum graste Vieh; Hirten und fahrendes Volk
tummelten sich dort. Die Bevölkerung gab dem Gebiet den Spitznamen
Campo vaccino oder Kuhweide.
Auf Kosten des Hauses
Drei arme Reisende auf dem Weg nach Rom erhalten eine kostenlose Mahlzeit
und freie Unterkunft in einem Kloster. Von Reisenden mit Geld erwartete
man allerdings, dass sie zahlten.

Rom besaß keine nennenswerte Industrie, wenig
Gewerbe, wenn man einmal von dem Luxushandwerk der Gold- und Silberschmiede
absieht, und verfügte nur über einen geringen Handel, der die
Bedürfnisse der Pilger und Besucher notdürftig befi1edigell konnte.
Mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Stadt stand im Dienst der
allmächtigen Kirche.
Der Haushalt des Papstes zahlte fast 700 Personen; dazu gehörten seine
persönliche Leibwache, die Schweizergarde. 27 Hausprälaten, 64
Kammerherren. 68 Kammerjunker, 265 Dienstboten und zahlreiche Priester.
Der Unterhaltung dienten Musikanten, Zwerge und Hofnarren. Die Haushalte
der Kardinäle. Bankiers und des römischen Adels standen diesem
Prunk in nichts nach.
In dieser üppigen Umgebung frönte die römische Gesellschaft
auf noch nie dagewesene Weise ihrem luxuriösem Leben. Die römische
Familie Chigi warf das Tafelsilber nach jedem Festmahl in den Tiber und
rühmte sich, dass kein bedeutender Gast je zweimal dasselbe Besteck
benutzt habe. In Wirklichkeit allerdings, hieß es, habe man das Silber
in einem speziell angebrachten Netz aufgefangen und später von den
Dienstboten einsammeln lassen.
Der Aufwand, den die Kirche trieb, kam natürlich auch den römischen
Kaufleuten, Krämern, Fleischern und Bäckern, den Prostituierten,
Zuhältern, Taschendieben und Beutelschneidern zugute. Selbst die abgelegten
Kleider und die Speisereste aus den großen Palästen boten ein
besseres Leben, als den meisten Menschen in der Stadt oder auf dem Land
in damaliger Zeit überhaupt möglich war.
Um die Bedürfnisse der Intellektuellen der Stadt kümmerte sich
einer der führenden Humanisten Italiens, lacopo Sadoleto, der mit seinen
Gästen über eine Reform des christlichen Lebens diskutierte. In
diesem erlauchten Kreis konnte man sogar etwas über den damals noch
unbekannten Mönch Martin Luther erfahren, der bald das Feuer der Reformation
entfachen sollte.
Diesem ausschweifenden und pulsierenden Leben setzte die Zerstörung
Roms durch kaiserliche Söldner im Jahr 1527 ein jähes Ende. Die
Pracht versank zwar nicht gänzlich, doch die Extravaganz der unvergleichlichen
Renaissancestadt war dahin.
Gabeln wurden In Italienischen Haushalten erstmals
im 11. Jahrhundert benutzt, vorwiegend für den Verzehr von Obst, um
sich nicht die Finger zu beschmutzen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts
benutzte man auch In anderen Ländern eine zweizinkige Gabel statt eines
scharfen Messers, mit dem man bislang das Fleisch vom Teller aufgespießt
hatte. Gabeln mit drei Zinken tauchten im frühen 19. Jahrhundert auf,
und die vierzinkige Gabel ist noch nicht einmal ein Jahrhundert alt.