Bei Einbruch der Dunkelheit bewegt sich ein unaufhaltsamer Strom von Reisenden auf Rom zu, darauf bedacht die Stadttore noch vor der nächtlichen Schließung zu erreichen. Zwei Drittel aller Reisenden sind zu Fuß unterwegs. Viele von ihnen tragen Stab und Bündel, sowie die Jakobsmuschel, das Abzeichen, dass sie als Pilger ausweist. Alljährlich strömen etwa 50 000 Pilger aus aller Herren Länder in die Heilige Stadt. Vor allem in der Fastenzeit und zu Ostern. Leben auf der Weide. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts überwogen in Rom die unbebauten Flächen. Zwischen antiken Ruinen dehnten sich Weiden, Felder und große Palastgärten aus. Auf dem einst stolzen Forum graste Vieh; Hirten und fahrendes Volk tummelten sich dort. Die Bevölkerung gab dem Gebiet den Spitznamen Campo vaccino oder Kuhweide, denjenigen. die nicht um der heiligen Stätten willen nach Rom reisten gehören vor allem Botschafter die in geheimer Mission an den päpstlichen Hof unterwegs sind, bescheidene Priester, Mönche und Nonnen, die für ihre Pfarrgemeinde oder ihren Orden Geschäfte zu erledigen haben. Viele die nach Rom ziehen sind einfache Leute aus anderen Gegenden Italiens oder aus fremden Ländern die ihr Glück in der Stadt machen wollen. Einige Reisende sind schon seit über einem Monat unterwegs.

Hirten, die Schafe, Ziegen und Rinder vor sich hertreiben drängen sich neben schwerfälligen achträdrigen Karren beladen mit Versorgungsgütern, Feuer- und Bauholz für die Ewige Stadt. Plötzlich wird die buntgemischte Menschenmenge unsanft beiseite geschoben als eine lärmende und platzheischende Gesellschaft von 300 Bewaffneten, Wildhütern und Treibern die Straße entlang kommt, in ihrer Mitte ein dicklicher, in Lederstiefel und Jagdrock gekleideter Mann mit kurzsichtigem Blick: Papst Leo X kehrt von einem Jagdausflug zurück.

Auferstanden aus Ruinen


Beim Passieren der Stadttore betreten Papst, Pilger und die anderen eine Stadt, die einer großen Baustelle gleicht. Nach dem katastrophalen Erdbeben von 1419 und Jahrzehnten der Vernachlässigung hatte es sich Papst Leo X seit Antritt seines Pontifikat im Jahr 1513 zur Aufgabe gemacht, Rom zu einer glanzvollen Metropole der Kunst, Architektur und Gelehrsamkeit zu erheben.
Seit die Kunst der Renaissance vor etwa 40 Jahren ihren Einzug in Rom gehalten hatte, nahm die Bautätigkeit unter den kunstsinnigen päpstlichen Vorgängern Leos X einen mächtigen Aufschwung. Das mittelalterliche Rom wurde völlig umgestaltet. Die Straßen befestigt und Ödland bebaut. Mit den Päpsten wetteiferten die Kardinäle und die romischen Adelsfamilien um die prunkvollsten Paläste und schönsten Kirchen. Ungeheure Summen - Kirchensteuern und Spendengelder aus allen christlichen Ländern wurden zur Ausschmückung der Stadt verwendet. Hauptaufgabe der Künstler wie Bramante, Raffael und Michelangelo war jedoch der Neubau von Sankt Peter, der größten Kirche der Christenheit.
Inzwischen gab es nicht weniger als 236 Gasthäuser und Herbergen, wo man sich um die müden Reisenden kümmerte. An den Toren warteten Führer und Vermittler, um wohlhabende Besucher zu Gasthäusern in der Nähe des Pantheons zu führen. Ärmere Reisende fanden Unterkunft in den Holzhäusern im dichtbevölkerten Trastevere- Viertel. Mönche und Nonnen begaben sich in die christlichen Stadtkloster. Die Diplomaten dagegen wohnten bei dem Kardinal, der die Interessen ihres Landes wahrnahm.


Sacco di Roma

Am 27. Mai 1527 eroberten kaiserliche Söldner eigenmächtig Rom. Wochenlang plünderten und verwüsteten mehr als 2000 Landsknechte die Stadt. Etwa 1300 Römer starben und das von Papst Leo X. geschaffene prächtige Rom versank in Schutt und Asche.

Pilgerzug

Die Pilger mussten einen Bußgang zu sieben Kirchen Roms machen. Der Gang dauerte etwa acht Stunden und führte von den unbewohnten Gebieten um den Vatikan in das Sumpfland, wo die Pilger oft knietief im Morast wateten.

Leben auf der Weide
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts überwogen in Rom die unbebauten Flächen. Zwischen antiken Ruinen dehnten sich Weiden, Felder und große Palastgärten aus. Auf dem einst stolzen Forum graste Vieh; Hirten und fahrendes Volk tummelten sich dort. Die Bevölkerung gab dem Gebiet den Spitznamen Campo vaccino oder Kuhweide.

Auf Kosten des Hauses

Drei arme Reisende auf dem Weg nach Rom erhalten eine kostenlose Mahlzeit und freie Unterkunft in einem Kloster. Von Reisenden mit Geld erwartete man allerdings, dass sie zahlten.







Rom besaß keine nennenswerte Industrie, wenig Gewerbe, wenn man einmal von dem Luxushandwerk der Gold- und Silberschmiede absieht, und verfügte nur über einen geringen Handel, der die Bedürfnisse der Pilger und Besucher notdürftig befi1edigell konnte. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Stadt stand im Dienst der allmächtigen Kirche.

Der Haushalt des Papstes zahlte fast 700 Personen; dazu gehörten seine persönliche Leibwache, die Schweizergarde. 27 Hausprälaten, 64 Kammerherren. 68 Kammerjunker, 265 Dienstboten und zahlreiche Priester. Der Unterhaltung dienten Musikanten, Zwerge und Hofnarren. Die Haushalte der Kardinäle. Bankiers und des römischen Adels standen diesem Prunk in nichts nach.

In dieser üppigen Umgebung frönte die römische Gesellschaft auf noch nie dagewesene Weise ihrem luxuriösem Leben. Die römische Familie Chigi warf das Tafelsilber nach jedem Festmahl in den Tiber und rühmte sich, dass kein bedeutender Gast je zweimal dasselbe Besteck benutzt habe. In Wirklichkeit allerdings, hieß es, habe man das Silber in einem speziell angebrachten Netz aufgefangen und später von den Dienstboten einsammeln lassen.

Der Aufwand, den die Kirche trieb, kam natürlich auch den römischen Kaufleuten, Krämern, Fleischern und Bäckern, den Prostituierten, Zuhältern, Taschendieben und Beutelschneidern zugute. Selbst die abgelegten Kleider und die Speisereste aus den großen Palästen boten ein besseres Leben, als den meisten Menschen in der Stadt oder auf dem Land in damaliger Zeit überhaupt möglich war.

Um die Bedürfnisse der Intellektuellen der Stadt kümmerte sich einer der führenden Humanisten Italiens, lacopo Sadoleto, der mit seinen Gästen über eine Reform des christlichen Lebens diskutierte. In diesem erlauchten Kreis konnte man sogar etwas über den damals noch unbekannten Mönch Martin Luther erfahren, der bald das Feuer der Reformation entfachen sollte.
Diesem ausschweifenden und pulsierenden Leben setzte die Zerstörung Roms durch kaiserliche Söldner im Jahr 1527 ein jähes Ende. Die
Pracht versank zwar nicht gänzlich, doch die Extravaganz der unvergleichlichen Renaissancestadt war dahin.

Gabeln wurden In Italienischen Haushalten erstmals im 11. Jahrhundert benutzt, vorwiegend für den Verzehr von Obst, um sich nicht die Finger zu beschmutzen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts benutzte man auch In anderen Ländern eine zweizinkige Gabel statt eines scharfen Messers, mit dem man bislang das Fleisch vom Teller aufgespießt hatte. Gabeln mit drei Zinken tauchten im frühen 19. Jahrhundert auf, und die vierzinkige Gabel ist noch nicht einmal ein Jahrhundert alt.